Wie sich die Spritpreise in Österreich entwickeln
Der Preis an der Zapfsäule wirkt willkürlich, ist er aber nicht. Vier Bausteine bestimmen, was du je Liter zahlst, und nur zwei davon bewegen sich überhaupt kurzfristig. Wer sie kennt, sieht Preisanstiege kommen.
Woraus sich der Literpreis zusammensetzt
Ein Liter Diesel oder Super 95 besteht in Österreich grob aus vier Teilen: dem Produktpreis am internationalen Markt, der Mineralölsteuer, der Umsatzsteuer und der Handelsspanne von Großhandel und Tankstelle.
Die Mineralölsteuer ist ein fixer Betrag je Liter und ändert sich nur, wenn der Gesetzgeber sie ändert. Die Umsatzsteuer von 20 Prozent liegt obendrauf und wächst damit automatisch mit, wenn der Rohpreis steigt. Bewegung ins Spiel bringen also nur der Produktpreis und die Handelsspanne.
- Produktpreis: schwankt täglich mit dem internationalen Markt für Diesel und Benzin, nicht direkt mit dem Rohölpreis.
- Mineralölsteuer: fixer Betrag je Liter, bei Diesel niedriger als bei Benzin.
- Umsatzsteuer: 20 Prozent auf alles davor, wirkt als Verstärker jeder Preisbewegung.
- Handelsspanne: der Teil, über den Tankstellen im Preiskampf tatsächlich konkurrieren.
Warum Rohöl und Zapfsäule nicht im Gleichschritt laufen
Der oft zitierte Brent-Preis ist der Preis für Rohöl, nicht für fertigen Kraftstoff. Zwischen beiden liegt die Raffinerie. Ist die Raffineriekapazität knapp, etwa nach einem Ausfall oder während der Wartungssaison im Frühjahr und Herbst, steigt der Produktpreis auch dann, wenn Rohöl gerade billiger wird.
Dazu kommt der Wechselkurs: Rohöl und Fertigprodukte werden in US-Dollar gehandelt. Ein schwächerer Euro verteuert den Sprit in Österreich, ohne dass sich am Weltmarkt in Dollar etwas geändert hätte. Beide Effekte zusammen erklären die meisten Fälle, in denen die Schlagzeile "Ölpreis fällt" nicht an der Säule ankommt.
Diesel und Benzin bewegen sich unterschiedlich
Diesel ist in Europa strukturell knapper als Benzin, weil der Kontinent mehr Diesel verbraucht als seine Raffinerien produzieren. Ein Teil wird importiert. Deshalb reagiert Diesel empfindlicher auf Lieferstörungen und zieht im Winter zusätzlich an, wenn Heizöl aus denselben Destillaten die Nachfrage erhöht.
Benzin folgt eher der Reisesaison: die Nachfrage steigt im Sommer, in Nordamerika deutlich stärker als in Europa, und zieht die europäischen Notierungen mit. Wer beide Sorten fahren kann, sollte deshalb den saisonalen Abstand im Blick behalten statt nur den absoluten Preis.
Wie sich Preisänderungen in Österreich ausbreiten
Die österreichische Spritpreisverordnung erlaubt Preiserhöhungen nur einmal täglich um 12:00 Uhr, Senkungen dagegen jederzeit. Das erzeugt ein sichtbares Sägezahnmuster: sprunghaft nach oben zu Mittag, danach schrittweise nach unten, solange der Wettbewerb es hergibt.
Praktisch heißt das: ein gestiegener Großhandelspreis schlägt frühestens am nächsten Mittag durch, ein gefallener kann schon am Nachmittag ankommen. Zwischen den Tankstellen einer Stadt liegen dabei regelmäßig 10 bis 15 Cent je Liter, weil jede Station ihre Spanne eigenständig setzt.
Was das für deinen Tankzeitpunkt bedeutet
Kurzfristig lässt sich der Markt nicht vorhersagen, der Preisabstand zwischen Tankstellen dagegen schon: er ist an jedem einzelnen Tag größer als die typische Tagesschwankung. Der Vergleich vor der Fahrt bringt also verlässlich mehr als das Warten auf den richtigen Moment.
Wer beides kombiniert, holt am meisten heraus: vormittags vor der 12-Uhr-Erhöhung tanken und dabei die günstigste Station im Umkreis ansteuern statt der nächstgelegenen.
Häufige Fragen
Warum wird Sprit teurer, obwohl der Ölpreis fällt?
Weil zwischen Rohöl und Zapfsäule die Raffinerie und der Wechselkurs liegen. Knappe Raffineriekapazität oder ein schwacher Euro können den Preis für fertigen Kraftstoff steigen lassen, während Rohöl in Dollar billiger wird.
Wie viel Steuer steckt in einem Liter Sprit?
Mineralölsteuer und Umsatzsteuer machen zusammen den größeren Teil des Literpreises aus, bei Benzin mehr als bei Diesel. Da die Umsatzsteuer prozentual auf alles davor aufschlägt, verstärkt sie jede Preisbewegung zusätzlich.
Ist Diesel immer günstiger als Benzin?
Nein. Diesel ist zwar niedriger besteuert, in Zeiten knapper Dieselversorgung kann der Produktpreis diesen Vorteil aber auffressen. In Österreich lag Diesel schon mehrfach über Super 95.
Wie oft ändern sich die Preise an einer Tankstelle?
Erhöhungen sind nur einmal täglich um 12:00 Uhr erlaubt, Senkungen jederzeit. In der Praxis passen viele Stationen ihren Preis über den Tag mehrfach nach unten an. Spritbiene liest die Werte alle 15 Minuten aus der E-Control-Datenbank.
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Datenquelle: E-Control